Das interdisziplinäre Gutachterverfahren zum Neuen Bahnhofsquartier Gransee fand mit der Ergebnispräsentation am 14. Februar 2026 seinen Abschluss. Der Prozess, der im Sommer 2025 auf der Grundlage entsprechender Beschlüsse der Stadtverordneten begonnen wurde, hat drei detailliert durchgearbeitete städtebauliche Entwürfe einschließlich Gestaltungsvorschlägen für den Wohnungsbau und die Freianlagen hervorgebracht, die nun die Grundlage für die kommenden politischen Beratungen und die weitere Planung bilden.
Einbindung von Öffentlichkeit, Fachwelt und Politik

Beim Abschlusskolloquium versammelten sich die drei Planungsteams, das Beratungsgremium aus Fachleuten und Sachverständigen, Vertreter der Stadt Gransee sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger am Sonnabend, 14.02.2026 von 10 bis 16 Uhr im Foyer des Strittmatter-Gymnasiums.
Nach der Begrüßung und Einführung durch den Amtsdirektor Nico Zehmke und Jens Lüscher von der mit Vorbereitung und Durchführung beauftragten BSG stellten die drei Teams
- immer.gut / Simons & Hinze / & MICA,
- stadt land fluss / Fugmann Janotta Partner
- ifau / yellow z / hola
ihre finalen Konzepte vor. Anschließend boten ein Dialogforum und eine Podiumsrunde mit dem Beratungsgremium Raum für Rückmeldungen und fachliche Diskussionen.
Die Aufgabe
Das Planungsgebiet erstreckt sich über eine Gesamtfläche von knapp 10 Hektar ehemals landwirtschaftlich genutzter Flächen zwischen dem Bahnhof Gransee und dem neuen Einzelhandelsstandort an der B96. Im Mittelpunkt standen Fragen zu Städtebau, Wohntypologien, Freiraum, Verkehr, Erschließung, Lärmschutz, Regenwassermanagement und Realisierbarkeit. Die Beiträge zeigten deutlich: Obwohl die drei Entwürfe unterschiedliche städtebauliche Handschriften verfolgen, verbindet sie das gemeinsame Ziel, ein lebendiges, nachhaltiges und kleinstadtgerechtes Quartier zu schaffen. Im Ergebnis zeigen die drei Konzepte städtebauliche Entwürfe mit einem differenzierten Wohnungsschlüssel und ca. 180 bis 260 Wohneinheiten für Familien, Senioren, Pendler oder Starterhaushalte (ca. 500 bis 600 Personen).
Die drei Konzepte im Überblick
immergut / Simons & Hinze & MICA entwickeln ein kompakt gegliedertes Quartier aus „Wohninseln“, die durch einen zentralen Anger und ein zusammenhängendes Grünsystem verbunden werden. Das Konzept bezieht sich in Materialität und Struktur auf das „märkische Dorf“ und setzt auf flexible Wohnformen und eine integrierte, landschaftsgeprägte Gestaltung. Besonderes Element ist der Weiterbau und die Aktivierung des bestehenden Garagenhofs als Ort für Werkstätten, Ateliers, Café und soziale Angebote.
stadt land fluss / Fugmann Janotta Partner rücken einen großzügigen zentralen Park in den Mittelpunkt, der als „Garten für Gransee“ die neue Stadtstruktur verbindet. Um den Park gruppieren sich halböffentliche Wohnhöfe unterschiedlicher Größe. Die Typologien orientieren sich stark an Hofstrukturen und am Granseer Maßstab. Spiel- und Aufenthaltsräume sowie nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung sind wesentliche Bestandteile. Lärmschutz erfolgt über bauliche Maßnahmen und eine spätere Quartiersgarage.
ifau / yellow z / hola entwickeln ein flexibles, wachstumsfähiges Quartier, das sich aus der bestehenden Siedlungsstruktur heraus weiterentwickelt. Ein orthogonales Baufeldraster, kleinteilige Gassen, vielseitige Haus-Typologien (Vorder-/Hinterhaus, Hofhäuser, Reihenhäuser) und multifunktionale „Parkscheunen“ bilden das Gerüst. Das Konzept verfolgt eine robuste, prozessorientierte Entwicklung, die auf unterschiedliche Bauträgermodelle und Beteiligungsformen reagieren kann.
Zentrale Themen des Dialogforums
Im anschließenden öffentlichen Austausch wurden unter Einbeziehung der Sachverständigen (Lärmschutz, Verkehr, Wohnungswirtschaft) insbesondere folgende Fragen vertieft behandelt:
- Lärmschutz: Alle Teams schlagen bauliche Lösungen vor; Unterschiede bestehen in der Wirksamkeit und Integration in die Quartiersstruktur.
- Erschließung und Verkehr: Einigkeit besteht über ein autoarmes Quartier; Varianten reichen von Ringstraßen bis zu hierarchiefreien Gassen.
- Wohnungsangebot: Alle Entwürfe bieten eine Mischung aus Miet- und Eigentumsoptionen, unterschiedlichen Wohnungsgrößen und teilweise innovativen Wohnformen.
- Freiräume und Gärten: Die Bedeutung wohnungsnaher Freiräume, Kleingärten und gemeinschaftlicher Grünflächen wurde in allen Beiträgen hervorgehoben.
- Regenwassermanagement: Die Konzepte sehen umfangreiche Maßnahmen vor – von Retentionsflächen bis zu Pflanzenkläranlagen.
Fachliche Einordnung durch das Obergutachtergremium

Die Obergutachter Prof. Dr. Angela Million (Stadtplanerin), Claudia Kruschel-Bücker (Architektin), Dr. Carlo Becker (Landschaftsarchitekt) betonten die unterschiedlichen Qualitäten der Entwürfe – von der klar gefassten Struktur über den parkzentrierten Ansatz bis zur vielfältigen, kleinteiligen Typologie. Im Fokus der Diskussion standen die Übertragbarkeit in einen realisierbaren Bebauungsplan, die Ausgestaltung des öffentlichen Raums, die Frage des Granseer Maßstabs und die künftige Identität des Quartiers.
Alle Beiträge liefern aus Sicht des Gremiums wertvolle Bausteine für die Weiterarbeit. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass für die Umsetzung ein Gestaltungshandbuch, ein Rahmenplan sowie ein sorgfältig konzipiertes Stufenmodell der Realisierung erforderlich sind.
Wie geht es weiter?
Die Ergebnisse des Gutachterverfahrens werden nun durch die BSG dokumentiert und in den zuständigen politischen Gremien vorgestellt. Auf Basis der Erkenntnisse und Empfehlungen kann ein Syntheseprozess starten, der die Stärken der Entwürfe zusammenführt. Anschließend ist die Erarbeitung eines Rahmen- bzw. Masterplans denkbar, gefolgt von der verbindlichen Bauleitplanung. Geplant ist zudem, die Öffentlichkeit weiterhin eng einzubeziehen. Die Ausstellung der Entwürfe sowie weitere Informations- und Beteiligungsformate sollen Transparenz schaffen und den Dialog fortführen.
Mit dem Abschluss des Gutachterverfahrens verfügt die Stadt Gransee über drei tragfähige und vielfältige städtebauliche Ansätze, die eine wertvolle Grundlage für die Entwicklung eines zukunftsfähigen und identitätsstiftenden Wohnquartiers bilden. Der Prozess markiert den Auftakt zur konkreten Weiterplanung eines der wichtigsten städtebaulichen Projekte der kommenden Jahre.
Der stellvertretende Amtsdirektor und Fachbereichsleiter Bauen und Liegenschaften des Amtes Gransee und Gemeinden, Christian Tutsch, bedankte sich bei den Planungsteams, dem beratenden Fachgremium und allen weiteren Beteiligten sowie der interessierten Öffentlichkeit für die engagierte Arbeit, die Kreativität und die konstruktive Auseinandersetzung mit dieser wichtigen Aufgabe für die Granseer Stadtentwicklung. Die Gutachten werden in den politischen Gremien vorgestellt, um die nächsten Schritte durch entsprechende Beschlüsse vorzubereiten.
Weitere Informationen sind hier zu finden: Neues Bahnhofsquartier auf der Internetpräsenz des Amtes Gransee und Gemeinden.



